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Räume mit pädagogischem Wohlfühlklima

Röthlein – Von Goethe stammt das wunderbare Zitat, man solle den Kindern Wurzeln und Flügel geben – im neugestalteten Röthleiner Kindergarten ist das seit Anfang Januar gelebte Wirklichkeit. Viele haben da zum Wohl ihrer Kinder am sprichwörtlichen gemeinsamen Strang gezogen und aus dem zwar pädagogisch schon immer wertvoll geführten, aber doch aus Platzgründen äußerst beengten Kindergarten St. Josef ein Schmuckstück gemacht, das seinesgleichen im Landkreis sucht. Mit dem großzügigen Krippenneubau ist auf einmal viel Platz entstanden, das verbaute Schilling-Konzept mit der „bewegten Kinderkrippe“ macht aus dem Raum dazu noch einen Erzieher und aus dem kindlichen Nutzer einen aktiven Gestalter der eigenen Entwicklung, wie der 2. Vorsitzende des Trägervereins Dr. Michael Wolf beim Besichtigungstermin begeistert erläuterte. Helles Holz, runde Kanten und viele altersgerechte Spielvarianten lassen die Kinderherzen höher schlagen und sie zu Entdeckern und Forschern werden, die sich in ihrer neuen Umgebung geborgen und gefördert fühlen, aber auch zum selbstständigen Agieren und Ausprobieren aufgefordert werden. Nicht wenige, erzählt Kindergartenleiterin Gerty Binder schmunzelnd, wollen gar nicht mehr heim, so aufregend ist das neue Angebot. In Schweinfurt ist das Schilling-Konzept schon bei einigen wenigen Einrichtungen etabliert worden, im Landkreis allerdings ist Röthlein – so Udo Schmitt vom Landratsamt – absoluter Vorreiter. Bis unter die Decke reichen die hölzernen Konzeptionen – eine Mischung aus Klettergarten, Piratenschiff und Höhlensystem mit kuscheligen Rückzugsorten und meterhohen Kletterelementen. Die Kinder dürfen im Rahmen ihrer eigenen Möglichkeiten ausprobieren, wie weit sie kommen und was sie so alles können. Manch Zweijähriger kommt fast ganz nach oben, andere sind vorsichtiger, dem individuellen Bewegungsdrang ist - das ist das Tolle an dem Konzept – keine Grenze gesetzt. In einem separaten Raum haben die Krippenkinder ihre Schlafplätze, teils nebeneinander oder in Einzelkojen schnauft und schläft man nebeneinander ohne den anderen zu stören, jeder durfte sich seinen Schlafplatz aussuchen und ist dabei geblieben. Hier wird schon im Kleinkindalter Rücksicht gelernt, erläutert Michael Wolf, der sich mit dem Trägerverein für das Schillingkonzept stark gemacht hat und von der pädagogischen Wertigkeit absolut überzeugt ist. Damit ist er auch nicht alleine, denn nicht nur die Kinder und Eltern, auch das 18köpfige pädagogische Kindergartenteam ziehen nach den ersten Wochen ein durchweg positives Fazit.

 

 

Nach der langen Umbauphase, die vom Personal mit Bravour gestemmt wurde, ist der Alltag in der umgestalteten Einrichtung herrlich entspannt, ein Arbeitsplatz mit Wohlfühlklima also. Die Schulkinder haben endlich eigene Räumlichkeiten, auf die sie sehr stolz sind, selbst die Hausarbeiten erklärt die siebenjährige Stella machen jetzt noch mehr Spaß, weil man sie – je nach Einteilung – auch in luftiger Höhe verrichten darf. Patrick Braun, selbst einst mal Kindergartenkind in der über 30 Jahre alten Einrichtung, zieht als Vater einer Vierjährigen und eines Schulkindes eine durchweg positive Bilanz. Die Atmosphäre war zwar schon immer „wunderbar familiär“, aber gerade bei Sohn Jonah haben die eigenen Räumlichkeiten das Selbstwertgefühl gefördert. Statt der 18 Quadratmeter, die sich die insgesamt 27 Schulkinder mit den Kindergartenkindern teilen mussten, haben sie jetzt mehr als dreimal so viel Platz zum Toben und spielen und dazu noch viele Rückzugsmöglichkeiten. Die Übergänge sind fließend und die Gruppen offen. Die Freispielzeit wird gerne genutzt, um die Kinder in den anderen Gruppen zu besuchen und die Kletterlandschaften auszuprobieren. Das fördert sowohl die Motorik als auch die soziale und emotionale Bindung der Kinder. Jeder kennt jeden und der Wechsel von der Krippen- in die Regelgruppe fällt leichter. „Hier möchte man gerne nochmal Kind sein“ sagt eine Mutter, die sich im Begegnungsraum zwischen Neubau und Altbestand mit anderen unterhält, ein Spruch, der übrigens öfters fällt und auch schon von Gemeinderäten gehört wurde. Die waren übrigens ebenso wie Bürgermeister Albrecht Hofmann und Architekt Peter Kopperger ganz schnell vom Schilling-Konzept überzeugt, das zwar teurer, aber dafür wohl jeden Cent wert ist. Denn das Projekt ist eine gut angelegte Investition in die Zukunft, die das Leben im ländlichen Raum aufwertet und junge Familien dazu animiert, sich in der Gemeinde niederzulassen, wie die vielen Anmeldungen zum Herbst belegen.